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Um die Mitte des 15. Jahrhunderts hat Gutenberg mit seiner Erfindung des Druckens mit beweglichen, wieder verwendbaren Lettern die Massenkommunikation begründet. Von der Schwarzen Kunst in ihrer ursprünglichen Form ist zu Beginn des dritten Jahrtausends fast nichts übriggeblieben. Aber eine Konstante zieht sich wie ein roter Faden von der Renaissance durch die Jahrhunderte bis ins Zeitalter des Digitaldrucks und der elektronischen Datenverarbeitung: Die Anforderungen an die Lesbarkeit der Druckschrift sind im 21. Jahrhundert dieselben wie zu Gutenbergs Zeiten. Die physiologischen Eigenschaften des menschlichen Auges haben sich nicht verändert. Werden die Gesetze der Lesbarkeit mißachtet, geht das Unterbewußtsein des typographisch nicht geschulten Lesers auf die Barrikaden; sein Streik läßt das gedruckte Wort ungelesen zur Makulatur werden.
Max Caflisch, international hochgeachteter Doyen in den sich stetig lichtenden Reihen der typographischen Elite des 20. Jahrhunderts, hat herausragende Druckschriften aus der jüngeren Vergangenheit, vor allem in den letzten zwanzig Jahren mit Hilfe modernster Computertechnik entstandene, unter die Lupe genommen und Meisterwerken aus Renaissance, Barock und Klassizismus gegenübergestellt.
In einer auf diesem Gebiet wohl einmaligen Synthese von feinem Gespür, stupendem Wissen und einem halben Jahrhundert Erfahrung und akribischem Beobachten der typographischen und technischen Entwicklung hat der Autor durchleuchtet, was die Qualität, die Lesbarkeit als ultimatives Kriterium des Durchsetzungsvermögens der Druckschrift ausmacht. Dabei hat er sich eine die Schnelllebigkeit des Computerzeitalters überdauernde Maxime Stanley Morisons zu eigen gemacht. Diese bezieht sich zwar auf die Typographie in ihrer Gesamtheit, gilt aber ganz besonders für die Schrift als wichtigster Bestandteil der Satzgestaltung. «Die Typographie hat im wesentlichen ein praktisches und nur beiläufig ein ästhetisches Ziel; denn nur selten will sich der Leser vornehmlich an einem gefälligen Druckbild erfreuen. Daher ist welcher Absicht, zwischen Autor und Leser stellt.»
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Wer Caflischs mit vielen Beispielen illustrierte Untersuchungen verinnerlicht, weiß, warum eine Schrift über geographische und kulturelle Grenzen hinaus dauerhaft Verbreitung findet oder eben als modische Zeiterscheinung bald wieder in der Versenkung verschwindet.
Die zweibändige Publikation der Untersuchungen über typographische Schriften enthält über vierzig Beiträge.
Der erste Band spannt einen Bogen von der um 1470 in Venedig entstandenen Renaissance- Antiqua des Franzosen Nicolaus Jenson bis zu der gegen das Ende des 18. Jahrhunderts geschaffenen klassizistischen Antiqua des Londoner Verleger- Druckers John Bell. Neben den wenigen Studien historischer Schriftschöpfungen handelt die überwiegende Zahl der Beiträge von Nachschnitten oder Nachbildungen früherer Druckschriften und von Neuentwicklungen aus dem 20. Jahrhundert im Stil früherer Schriften.
Der zweite Band handelt von den Grotesken und Egyptienne-Schriften sowie von der Entwicklung spezifischer Zeitungsschriften und stellt das Schriftschaffen des Engländers Eric Gill, des Tschechen Oldrich Menhart, des Holländers Chris Brand und der Deutschen Gudrun Zapf-von Hesse eingehend dar. Der Beitrag über die den Handschriften nachgebildeten Skripten ist ein Versuch, die vielfältigen Interpretationen systematisch zu ordnen.
Wo es tunlich war, sind für das weiterführende Studium Quellen und Literatur vermerkt. Die meisten Beiträge sind aus den besprochenen Schriften gesetzt, sodaß sich auch der Nichtfachmann ein Bild von deren Form und Wirkung im Textverband machen kann.
Typotron Max Caflisch Schriftanalysen
Untersuchungen zur Geschichte typographischer Schriften
Zwei Gewebebände 22,8 x 28,5 cm:
Band 1 276Seiten und drei Falttafeln
Band 2 268 Seiten und eine Falttafel
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