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In der offizin die goldene kanne ist ein neues licht aufgegangen, ein neues kassettenwerk ist da: AUSSER DER VERNUNFT IST NICHTS, UND IN IHR IST ALLES. unter diesem zitattitel erschienen aphorismen zur naturphilosophie von schelling. als leporello und als buch. neu sind übrigens auch die bemühungen des Künstlers Hermann Rapp, in der digitalfotografie, um sein werk im internet vorzustellen. bleibt zu hoffen, dass die kombination aus alt (handsatz und künstlergrafik) und neu (intrenet und digitaltechnik) erfolg hat und dem zuschauer/leser/surfer Freude bringt. Den künstler und seine offizin kann man auch zuhause besuchen. Oder auf der buchmesse in Frankfurt am alten platz. _____________________________________ Fern-sehen ganz nah! 11 Juli 2003, ein warmer sommertag Hinter unserem haus verläuft die alte schloßmauer, vielleicht noch aus der gründerzeit der burg von Neuweilnau, das wäre dann vor 700 jahren gewesen. Diese mauer, rund dreißig, vierzig meter lang, ist mit efeu überwachsen, die dicksten triebe sind armdick, einige wurden zu soliden bäumen. Von zeit zu zeit muß das alles weg; an dieser üblen schinderei arbeiteten wir an diesem sonnigen nachmittag. Ich stand oben auf der leiter, sägte und hackte und merkte nebenbei, dass auf der straße fernsehaufnahmen gemacht wurden. Neugierde. Und erste blickkontakte, dann eine anmerkung, antwort, nachfrage, das gespräch begann, ich erzählte von prinzessin Viktoria Louise, die tochter des kaisers, dortmals 1908 und was daraus wurde. Daß es ihr zu verdanken sei, daß dieses, unser haus, überhaut noch existiere. Ist diese schnitzerei alt und echt? Ja, die kanne ist mit echtem gold belegt, das gab dem haus seinen namen: Haus zur Goldenen Kanne. Und können sie das von der prinzessin in die kamera hineinerzählen? Natürlich (und die geschichte folgte). Dank und alles gute. Von mir noch der hinweis auf diese internet-seite, auf die arbeit der offizin und seinen büchern und dass alles mit nostalgie nichts zu tun hätte hier meine karte, guten weg und adschee. Abends ein anruf von Barbara Dickenberger: Wir waren heute an ihrem haus - fernsehen - habe im internet mir ihre Arbeiten angeschaut, bin neugierig, können wir morgen kommen? Ja, bin auch neugierig. Anderntags kurz nach zehn war meine kleine druckwerkstatt mehr als voll: kabel, monitore, scheinwerfer: sie kommen von hier nach - ja so, so ists gut - bitte - kamera läuft Ich setzte an dem gedicht die blaue nacht, geschrieben von der portugiesischen Dichterin Maria Teresa Dias Furtado, dieses gedicht trägt die widmung An Hölderlin und Hermann Rapp. Zum text entstanden graphiken aus korkplatten, das buch hat einen bedruckten umschlag, auch hier sind es drucke von korkplatten, dem titel gemäß ist alles in dem buch in blau gedruckt, in vielen blautönen. Das ist nun in den fernsehaufzeichnungen zu sehen, in einem beitrag zu Unterwegs zur kunst, erstausstahlung im januar 2004 im saarländischen dritten. Und später reihum in den dritten. Das hauptsächliche interesse galt dem großen kassettenwerk Schelling: Aphorismen über die naturphilosophie. (In vielen schritten ist das entstehen dieses buches auf diesen seiten dokumentiert. Wer mehr details sucht, möge sich melden, antworten folgen.) Es zeigte sich wieder, wie unbekannt bei redakteuren das gebiet der buchkunst ist. (Nicht die basteleien, wie sie in musealen und weniger musealen einrichtungen zum teil entstehen oder durch gläubige jünger von Johannes Gutenberg, die ihren herrn übel verraten.) Die wahre kunstausübung mittels der dinge des büchermachens sind hier gemeint, Andreas Weber hat dafür ganz genial für mich den begriff leseKUNSTobjekte geprägt. Das sind in meinem falle bücher, bei denen der bleisatz und die graphiktechniken im hochdruckverfahren, wie die des holzschnittes, des linoldruckes oder der daraus abgeleiteten handhabungen und mischtechniken und das versuchen, mit unüblichen materialien druckformen zu erfinden, die hauptrolle spielen. Im falle der offizin die Goldene kanne kommt noch hinzu, daß die literarische komponente eine bedeutende rolle spielt. Immer mehr wird bei mir die philosophie eine oder sogar die möglichkeit, um in eine bilderwelt vorzudringen, zu der die eigene vorstellungskraft nicht auszureichen vermag. Und um zu erfahren, was die welt im äußersten zusammenhält. Oder ists doch das innerste? Nächstens mehr: im januar im saarländischen und anderswo auch. Bleiben sie dieser seite getreu und sie werden den sendetermin lesen können. Hinweis: Gisela Rapp hat während der dreharbeiten fotografiert. Nicht digital. Eindrucksvolle Bilder (auf Papier) ===== _____________________________________ Mai 2003 Amthof-Galerie in Bad Camberg: Die Natur, allemal Die Bad Camberger Amthof-Galerie zeigt im Monat Mai zwei Ausstellungen, eine davon, im oberen Stockwerk des schönen Fachwerksgebäudes, bestücken das Künstlerehepaar Gisela und Hermann Rapp aus Weilrod. Das Thema beider ist die Natur, die allumfassende Natur. »Schön erscheinst du / im Horizonte des Himmels, / du lebendige Sonne, / die vom Anbeginn lebt! / Du bist aufgegangen im Osthorizont / und hast jedes Land mit deiner Schönheit erfüllt. / Schön bist du, groß und strahlend, / hoch über allem Land.« Das schrieb vor 3500 Jahren der ägyptische König Echnaton in seinem Sonnengesang; für seine Zeit ein ketzerischer Text, denn alte Religionsstrukturen brachen zusammen, die Vielgötterei wurde abgelöst durch den Einen, der alles gemacht hat und alles bewirkt: Aton, die Sonne. Dieser alte und wunderbare Text wurde in Gobelins umgesetzt. In einundzwanzig auf dem Hochwebstuhl von Gisela Rapp gewebten Bildern wird durch Echnatons Hymnus geführt, zu Sonne, Mond und Luft und Licht, durch des Menschen Behausung, über Wasser und Meere geht der Gedanke, auch zum Letzten, dem nichts mehr Wahr-Nehmenden. In den engen und niedrigen Galerieräumen, die ehemals die Wohnräume das Amthofvogtes waren, also oben im zweiten Stock ists momentan wie in einer alten Fachwerkkapelle, das Auge wandert von Motiv zu Motiv, dem ausgelegten Text folgend, man müßte in laut lesen, wäre noch ein Stück von Vivaldi zu hören, die Illusion wäre komplett. Daneben, quasi in der Nachbarstube, zeigt Hermann Rapp Malerei, Graphiken und Pressendrucke. Im Mittelpunkt steht sein Kassettenwerk mit Linoldrucken zu Aphorismen über die Naturphilosophie von dem schwäbischen Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (*1775) verfaßt. Die Graphiken sind zu einem Leporello montiert, offen ausgebreitet präsentiert sich das Werk mit fast sechs Meter Länge, in die vielfarbig blau gehaltenen Graphiken wurden eine schmale Auswahl von Aphorismen hineingedruckt. Die gesamte Auflage beträgt siebzehn Exemplare, teils als Leporello, teils in Buchform. Das Werk ist weitgereist. Noch während seiner Fertigstellung waren Eine Ausstellung im Monat Mai in der Bad Camberger Amthof-Galerie: Gisela Rapp vor den gerahmten Gobelins zu Echnatons Sonnengesang. Hermann Rapp / Kassette mit eingelassener Druckplatte / stolze Verbundenheit / Künstler und sei Werk / Stichworte zu den Legenden je nach Bildwahl Rückfragen: offizin@yahoo.de _____________________________________ Mitte August 2002 Premiere in Krakau: Innerhalb einer Gemeinschaftsausstellung Frankfurter Künstler zeigte ich mein soeben fertiggestelltes Werk mit dem Titel "Außer der Vernunft ist nichts, und in ihr ist alles" in der Galerie Bunkier Sztuki in Krakau, der Partnerstadt von Frankfurt am Main. Dieser lange Titel ist ein Zitat aus den Texten des 1775 geborenen Philosophen F.W.J. Schelling, ein Studienfreund von Hegel und Hölderlin. In dem neuen Kassettenwerk werden aus Schellings Aphorismen über die Naturphilosophie eine schmale Auswahl wiedergegeben, diese Texte sind in eine Graphikfolge eingedruckt. Das Werk erscheint in zwei Formen: als Leporello (so wird es in Krakau gezeigt) und als Buch, jeweils ist es rund 48 cm hoch. Einen einführenden Essay schrieb Prof. Dr. Jens Jantzen, er ist der Herausgeber der Werke von Schelling an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. Alles zusammen liegt in einer aufwendig gestalteten Kassette, in die Decke ist jeweils ein originaler Druckstock eingelassen. Dieses Werk liegt jetzt für einige Zeit im Kunstbunker in Krakau, der Galerie für zeitgenössische Kunst. Die siebzehn Graphiken, die das Leporello bilden, sind in unterschiedlichen Blautönen gehalten. Ähnlich wie in dem vor drei Jahren erschienenen Werk "Goethe: Die Natur" wurde eine eigene Technik, die des Linoldrucks, angewandt. Dabei werden die Formteile der Grafiken aus dem Linol herausgebrochen und zu Druckformen wieder zusammenmontiert. In bis zu sechs Druckgängen entstanden die Farbgrafiken. Eine starke Farbigkeit und eine satte Farbschicht sind den Drucken ein gemeinsames Charakterisikum. Der Druck erfolgte auf einem schweren Bütten von Georges Duchêne aus Lalinde; weil es die Gestaltung das Buches erforderte, wurden die Grafiken rundum glatt beschnitten. Nichts sollte an dem Werk historisierend wirken, die großen Gedanken des Philosophen sollen heute genau noch so gelten wie zu seiner Entstehungszeit, die Vernunft soll gelten, immer mehr. Hermann Rapp von der Offizin Die Goldene Kanne in Neuweilnau _____________________________________ Anfang August 2000. die aphorismen sind gesetzt. aus der 24 punkt akzidenz-grotesk, einer schrift, die 1898 als hausschnitt entstand. eine ur-grotesk, formschön und kraftvoll. 18 aphorismen setzte ich daraus, gedruckt wurden sie in die graphiken hinein, in schwarz. die einrichtung ist so, daß sowohl die bilder als auch die texte für sich wirken, will man, so ist ein gemischtes betrachten möglich. der buchbinder hat mit dem ersten exemplar, das bis jetzt vorliegt, volle arbeit geleistet. in die kassette wird jeweils eine druckplatte eingelassen. dadurch entstand eine hülle besonderer art für die großen gedanken des herrn SCHELLING. in den nächsten wochen wird weitergebunden. das erste exemplar, und zwar nur der graphikteil, ist auf dem weg nach krakau. dort ist es ab dem 9. august in der galerie bunkier sztuki zu sehen. und auf der frankfurter buchmesse. bis dann. Hermann rapp _____________________________________ Juli 2002. Erste Information über einen neuen Pressendruck Seit Wochen drucke ich an siebzehn Graphiken. Es sind Linoldrucke, rund 50 mal 35 cm groß. Vier, fünf Farben sind das Übliche für jedes Motiv und manche Farben wurden, um eine ausreichende Farbdeckung zu erhalten, zweimal gedruckt. Das macht etwa zweitausend Drucke, ich spüre es; gerade eben habe ich die letzte Form vollendet! Linoldrucke. Aus der Platte breche ich die Motive heraus, die Teile setze ich zu Farbformen wieder zusammen. Zu diesem neuen Werk verwendete ich ein besonders dickes Material. Dadurch werden die Brüche markanter. Denn ich suchte eine stark reduzierte Formensprache, Formen zu einem großen Text. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling ist der Autor des neuen Buches aus der Offizin Die Goldene Kanne. Aus seinem Werk wählte ich siebzehn Aphorismen über die Naturphilosophie, in der Schreibweise blieb ich der Erstveröffentlichung verbunden, in der Typographie nicht. Ich wählte nach langen Versuchen und Überlegungen die Akzidenz-Grotesk, einem Hausschnitt von der Schriftgießerei Berthold aus dem Jahr 1889. Zum Druck verwendete ich einschweres Bütten von Georges Duchêne, der Büttenrand fällt bei diesem Werk weg, die Art, die Gestaltung des Buches will es so. In den nächsten Tagen werden die Texte gedruckt. Dann folgen umfangreiche Buchbinderarbeiten. Das Werk wird in drei Formen erscheinen: als Buch (6 Exemplare), als Leporello (6 Exemplare) und als Blattausgabe (3 Exemplare), jeweils in Kassette mit einem Titelmotiv (wie das aussehen wird, ist noch nicht genau festgelegt) und eine Graphik wird in der Titelei stehen. Dieses neue Werk schließt an die in der Offizin erschienenen Kassettenwerke »Hölderlin: Verloren ins weite Blau« und »Goethe: Die Natur« an, das erste ist seit langem ausverkauft, vom anderen ist noch ein Exemplar erhältlich. Im August wird das erste Exemplar in Krakau ausgestellt, die Kassettenexemplare werden dann zur Frankfurter Buchmesse vorliegen: Halle 4.1 ... am alten Platz. Das ist aus der Offizin Die Goldene Kanne zu berichten. Mit freundlichen Grüßen =====
zeitenwende.com
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