Am Anfang war der Stein.

Magma. Naturgewalten. Steinformationen.

Strukturgebilde, scheinbar gebannt für die Ewigkeit.

Auf der anderen Seite zerbrechlich und verletzlich.

So steht der Stein für Dauer und Vergänglichkeit.

Am Anfang steht die Suche. Der Rohling wird gefunden, ein stummes Zwiegespräch entfaltet sich zwischen Material und dem Künstler Pi Ledergerber.

Nicht erzwingen, sondern: Entdecken. Erkunden. Erkennen. Erschaffen.

Wirklichkeit – Dialog – Wirklichkeit als Metamorphose?

Am Anfang steht der Neubeginn – und die Frage: „Was ist möglich?“

Auch wenn das Erschaffen mit harter körperlicher Arbeit verbunden ist, es ist Teil eines kreativen Prozesses, der sich den Leitbildern und Ideen von Pi Ledergerber unterordnet.

Dogmen existieren nicht. Teilungen und Schichtungen sind das Ergebnis dieses künstlerischen Prozesses, der sich mit Bescheidenheit und hohem Respekt vor dem Material vollzieht.

Teilung ist Einheit. Etwas Schweres erscheint leicht.

Die hohe Sensibilität von Pi Ledergerber entfacht eine einmalige künstlerische Virtuosität. Ein neues Alphabet der Formensprache nimmt Gestalt an.

Am Ende steht das Objekt, scheinbar stumm und starr, als ein Kunstwerk, das doch so viel zu sagen hat. Der Dialog beginnt erneut! Zwischen Betrachter, Objekt und Künstler. Die Arbeiten von Pi Ledergerber haben ihren ganz eigenen, dauerhaften Rang.

Epilog: Ein Besuch mit Pi Ledergerber im Deutschen Historischen Museum zu Berlin brachte eine interessante Parallele zutage: Ieoh Ming Pei, der Architekt des Gebäudes, verweist mit Stolz auf den Garten seines Großvaters in China, der eine natürliche, vom Menschen bearbeitete und an die Natur zurückgegebene Steinlandschaft zeigte. Arbeiten von Pi Ledergerber finden sich inmitten der Natur, zum Beispiel in Griechenland oder Finnland. In einem Zustand der bewussten Unvollendung hat sie der Künstler dem (Ein-)Wirken der Natur übergeben. Wo ist der Anfang, wo ist das Ende?


gunda vera schwarz, im juni 2003